Pflanze des Monats Juni

Das Hain-Rispengras


Das zierliche Hain-Rispengras (Poa nemoralis) entfaltet seine Reize erst auf den zweiten Blick. Botanisch gehört das im Frühsommer blühende Gras, ebenso wie die allseits bekannte Zierrasenart Poa pratensis (Wiesenrispengras), zur Familie der rispenbildenden Süßgräser (Poaceae). Im Gegensatz zu seinem lichthungrigen Verwandten wächst das typische Waldgras gerne an halbschattigen Plätzen, sofern der Boden genug Feuchtigkeit hergibt. Poa nemoralis bildet eine komplexe Artengruppe (auch als Aggregat bezeichnet) mit mehreren, u. a. auch blau-grün gefärbten Varianten und Bastarden, deren genaue botanische Bestimmung Experten vorbehalten ist.

 

Die Blattspreite des Grases ist mit ca 2 mm sehr schmal. Die Blüten sind in winzigen spindelförmigen Ährchen verborgen, die kaum mehr als 4 mm messen. Sie stehen in einer lockeren oder zu Beginn der Blüte enger anliegenden, dann leicht übergeneigten Rispe. Um den komplexen Blütenaufbau zu studieren benötigt man schon eine gute Lupe. Bestäuben läßt sich die Pflanze durch den Wind. Das Hain-Rispengras wächst in lockeren Horsten. Ein charakteristisches Merkmal ist das steif und schräg abstehende oberste Blatt an jedem Stängel, wodurch das Gras auch im nichtblühenden Zustand leicht zu erkennen ist. Diese Besonderheit hat der Pflanze übrigens den Namen „Wegweisergras“ eingebracht. Eine weitere Auffälligkeit ist die Anfälligkeit gegenüber dem mikroskopisch kleinen Schlauchpilz Epichloe typhina (ein Ascomycet). Befallene Halme sind durch typische weiße Scheiden gekennzeichnet. Auch im Karwer Park ließ sich im Juni 2017, insbesondere um den "Eierberg", an einigen Horsten ein Pilzbefall durch Epichloe typhina feststellen.

 

Das Hain-Rispengras ist eine Charakterart frischer, mäßig saurer, sowohl naturnaher als auch vom Menschen beeinflusster Eichen-, -Buchen und Hainbuchenmischwälder vor allem aber auf reichen bis mittleren Braunerden. Diese Vorliebe teilt das Gras im Übrigen mit dem Buschwindröschen (Anemone nemorosa) und kommt daher, wie auch im Karwer Park, gerne mit diesem - wenn auch zeitlich versetzt - vergesellschaftet auf. Das Hain-Rispengras ist an geeigneten Standorten im gesamten mitteleuropäischen Raum verbreitet und häufig.

 

Als typische Zeigerpflanze in Edellaubwäldern erhielt die Pflanze die in der Abbildung erklärten Charakterzahlen 5X5-553-H (Heinz Ellenberg, Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer Sicht, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart).