Baum des Monats Juni - Die Robinie (Robinia pseudoacacia L.)


Abbildung der Blüten, Blätter und Schotenfrucht mit Samen aus: Oelhafen von Schöllenbach, Carl Christoph (1767): Abbildung der wilden Bäume, Stauden und Buschgewächse,… ; Zweyter Teil; Tab XLII).

 

Beliebt bei Imkern - doch kaum im Forstbau:

Die Robinie oder "falsche Akazie"

 

Die Robinie, in alter Zeit auch Virginischer Schotendorn oder Heuschreckenbaum genannt, ist ein im 17. Jahrhundert nach Europa eingeführter nordamerikanischer Baum, der zur Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae) gehört. Sie bildet Anfang Juni typische Schmetterlingsblüten mit einem zusammengewachsenen „Schiffchen“ und einer darüber liegenden „Fahne“ aus (ähnlich unseren Hülsenfrüchten). Die Laubblätter sind locker gefiedert. An der Basis des Blattstiels befindet sich ein Paar unangenehm stechender Dornen anstatt der üblichen Nebenblättchen. Die Dornen können an jungen Exemplaren bis zu 3 cm lang werden und für böse Verletzungen sorgen. Bis auf die Blüten sind alle Teile des Baumes durch toxische Eiweiße (Toxalbumine und Lektin) giftig, was insbesondere für Rinde und Samen gilt. Sie sind vor allem für Pferde und Rinder gefährlich, weshalb Robinien auf oder an der Weide zu vermeiden sind. Die Blättchen der Fiedern haben eine interessante Eigenschaft. Bei Trockenheit klappen sie nach oben zusammen, so dass die Blattunterseite zu sehen ist. Offensichtlich hilft diese Stellung gegen Aufheizung und Wasserverlust. In der Nacht falten sie sich jedoch nach unten zusammen, so dass die Blattoberseite sichtbar wird. Dieses Verhalten, welches auch bei anderen Schmetterlingsblütlern vorkommt, wird als Kälteschutz gedeutet. Die Borke ist auffallend grob und leistenartig. Die Äste wachsen wellig empor (s. Foto einer Park-Robinie unten). An diesen Merkmalen kann man Robinien selbst im Winter gut erkennen. Junge Bäumchen wachsen erstaunlich rasch und können pro Jahr mehr als einen Meter zulegen. Die maximale Höhe liegt um 25 – 30 m. Die Krone ist locker bis lückig  und bildet zuweilen mehrere schirmartige Etagen aus gedrehten Hauptästen.

Benannt ist der Baum nach Jean Robin (1550 – 1629), Hof-Gärtner unter dem französischen König Henri IV. und eifriger Sammler medizinischer Pflanzen. Er (oder vielleicht sein Sohn) ließ eine Robinie, angeblich um 1601, in den Garten der medizinischen Fakultät zu Paris pflanzen. Dieser Baum existiert noch heute im Square René-Viviani (eine Grünanlage an der Seine vis-à-vis von Notre Dame). Allerdings ist er ziemlich ramponiert und wird durch eiserne Streben zusammengehalten. Mit über 400 Jahren ist er der älteste Baum von Paris. Ob es sich aber wirklich um die allererste Robine auf europäischem Boden handelt ist nicht sicher. Normalerweise wird die schnelllebige Robinie lediglich zwischen 50 – 150 Jahre alt. In Deutschland soll sie erstmalig um 1655 im Barockgarten am Schloss zu Gottorf eingeführt worden sein (Wimmer, 2014). Hier residierte Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf, ein großer Liebhaber exotischer Gehölze. In den folgenden 200 Jahren nahm der Baum im Zuge der Entstehung englischer Landschaftsgärten stetig an Beliebtheit zu. Das Saatgut aus Amerika war eine begehrte Rarität. Für den gärtnerischen Gebrauch ordnete man zu jener Zeit den Gehölzen besondere Eigenschaften für die jeweils gewünschte Gartenszene zu. Der deutsche Gartentheoretiker Christian Cay Lorenz Hirschfeld (1742 – 1792), ein früher Befürworter des natürlicheren englischen Stils in Parks und Gärten, charakterisierte die Robinie als einen luftigen Sommerbaum für Plätze „Wo keine Bedeckung noch Beschattung erfordert wird, wo offene und luftige Durchsichten, unverhinderte Einfälle des Sonnenlichts, Heiterkeit und Freyheit herrschen sollen, ....“ (Hirschfeld, 1780). Und eine weitere Eigenschaft verlieh dem mediterran wirkenden Baum Popularität, nämlich die intensiv duftenden weißen Blütentrauben, die besonders in der Dämmerung einen unvergleichlich süßen Geruch verströmen. Bienen besuchen die nektarrreichen Robinienblüten wohl gerne, woraus dann der „Akazien-Honig“ entsteht. Andere heimische Insekten scheinen aber mit den Blüten - selbst nach 300 Jahren in unserer Flora - noch immer nicht viel anfangen zu können, was als ökologischer Mangel gewertet wird.

 

Als Forstbaum hat die Robinie kaum Bedeutung, obwohl das Holz schnellwüchsig und doch sehr fest ist und eine warme Farbe sowie schöne Zeichnung aufweist. Insbesondere die invasive Verbreitung durch Ausläufer, Stockausschläge und Wurzelbrut kann problematisch werden, was schon im 18. Jahrhundert bekannt war. So heißt es in dem wunderbar illustrierten Pflanzenkatalog des Nürnberger Forst-Amtmanns Carl Christoph Oelhafen von Schöllenbach aus dem Jahre 1767, dass die Robinie, so sie aus bewurzelten Schösslingen gezogen sei, zum Wuchern neige. „Ein jeder Liebhaber muss daher den Ort wohl betrachten, wo er diesen Baum hinpflanzen will, ...“ (Oelhafen von Schöllenbach, Teil 2, XIV. Abhandlung, S. 68; https://archive.org/details/abbildungderwild13oelh/page/n223/mode/2up?ref=ol&q=Robinie). Robinien schaffen sich durch die Durchwurzelung und Stickstoffanreicherung gegenüber anderen Baumarten einen Standortvorteil. Die meisten Robinien wachsen auffallend schief und krumm, was für die Holzverarbeitung nicht gerade günstig ist. Regelmäßig „auf den Stock gesetzt“ (bis zur Stammbasis zurückgeschnitten) nutzte man sie daher - wenn nicht als Zierbaum - vor allem zur Brennholz-Produktion. Spezialanwendungen für das harte dauerhafte Robinienholz ergeben sich darüber hinaus  für haltbare Rebstock-Pfähle (traditionell in Frankreich), Hausbalken (selten), Lattengerüste, Terrassenplanken, Naturholz-Geländer oder witterungsbeständige Holzmöbel und Spielplatzelemente für den Außenbereich. Das schiefe Wachstum wird heute einer negativen genetischen Selektion zugeschrieben, da man im 17. – 18. Jahrhundert offensichtlich bevorzugt das leichter zu erntende Saatgut geneigter Bäume aus Nordamerika exportiert hatte (es gibt auch kerzengerade Robinien). Tatsächlich stammen alle heutigen Robinien von nur wenigen Populationen bzw. Erntegebieten in Virginia, West-Virginia und Pennsylvania ab (Meyer-Münzer; https://www.lwf.bayern.de/wissenstransfer/forstliche-informationsarbeit/263797/index.php).

 

Der ‚Alte Fritz‘ (Friedrich II. von Preußen) förderte übrigens den Robinienanbau. Vielleicht schätzte man schon damals, dass der Baum recht trockenresistent ist und sandige Dünen wie Böschungen befestigt. Brandenburg ist deshalb auch heute noch dasjenige Bundesland mit dem größten Robinien-Bestand Deutschlands. Von 12.500 ha Anbaufläche befinden sich 10.000 ha in unserem Bundesland. In Karwe stehen sehr schöne ältere Robinien mitsamt Nachwuchs z. B. am Mühlenweg, im Saum des Karwer Forstes, am Rande des Bauernwäldchens um die Alte Schäferei und mindestens ein Baum auch im Park. Ob sie Nachfahren der ehemaligen gutseigenen Baumzucht sind ist ungewiss. Der Karwer Guts-Verwalter Hermann Eckert berichtet im Jahr 1864, dass neben der Kiefer, dem Hauptwirtschaftsbaum, auch Linden, Kastanien, Ebereschen und andere Bäume zur Bepflanzung der Wege gezogen wurden.

 

Literatur

 

Aas, Gregor. Die Robinie (Robinia pseudoacacia): Verbreitung, Morphologie und Ökologie – LWF Wissen 84. https://www.lwf.bayern.de/boden-klima/baumartenwahl/262525/index.php

 

Hirschfeld, Christian Cay Lorenz: Theorie der Gartenkunst. Bd. 2. Leipzig, 1780. S. 17: Vom Baumwerk; https://www.deutschestextarchiv.de/book/show/hirschfeld_gartenkunst2_1780

 

Meyer-Münzer, Barbara. Im Bann der Geschichte – Einführung und Ausbreitung der Robinie (Robinia pseudoacacia L.) – LWF Wissen 84. https://www.lwf.bayern.de/wissenstransfer/forstliche-informationsarbeit/263797/index.php

 

Oelhafen von Schöllenbach, Carl Christoph (1767). Abbildung der wilden Bäume, Stauden und Buschgewächse,…. von Carl Christoph Oelhaven von Schöllenbach, der Reichsstadt Nürnberg Wald-Amtmann (mit Abbildungen versehen von Adam Wolfgang Winterschmidt. Nürnberg. https://archive.org/details/abbildungderwild13oelh/page/n223/mode/2up?ref=ol&q=Robinie

 

Wimmer, Clemens Alexander (2014): Lustwald, Beet und Rosenhügel: Geschichte der Pflanzenverwendung in der Gartenkunst. Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar.