Typha angustifolia hinter der Badestelle im April. Im Hintergrund Schilf.
Wenn im Winter die Vegetation ruht, fällt der suchende Blick auf auffällige Pflanzenreste des Vorjahres. Zurzeit bietet der Rohrkolben am Seeufer einen interessanten Anblick, insbesondere wenn Raureif, Eis und Sonne die am Stängel verbliebenen hübschen Kolben gekonnt in Szene setzen. Die vorherrschende Rohrkolbenart am Parkufer ist der schmalblättrige Rohrkolben (Typha angustifolia L.). Er ist etwas seltener als der breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia L.), der - wie der Name schon sagt - viel breitere Blätter hat (> 1 cm). Rohrkolben hat im Sommer grasgrüne Blätter und ist mit 1 – 2 m Höhe recht auffällig, bleibt aber in der Regel niedriger als Schilf. Der Rohrkolben ist eine Pionierpflanze, die sich mittels kräftigen Ausläufern - ähnlich wie Schilf - an kahlen Stellen im Wasser rasch ausbreiten kann. Im Park, gleich hinter der Badestelle, gibt es einen reinen Typha-Bestand, der sich bislang noch nicht mit dem benachbarten Schilf vermischt hat. Die Kolben bilden sich an dem fruchttragenden Stängel im Juli – August aus und bestehen aus einem getrennten pollenbildenden männlichen Teil an der Spitze und einem samenbildenden weiblichen Teil (der typische braune Kolben) darunter. Die männlichen und weiblichen Blütenteile sind ca. 3 – 9 cm an der Spitze des Stängels voneinander getrennt, was den schmalblättrigen sicher vom breitblättrigen Rohrkolben unterscheidet. Bei letzterem sitzen der männliche und der weibliche Kolbenteil lückenlos aufeinander. An den reifenden Samen hängen lange Fäden. Im Herbst bildet sich dadurch am weiblichen Kolbenteil eine fluffige Samenwolle aus, die vom Wind verbreitet wird und manchmal noch weit bis ins Frühjahr am Fruchtstängel verbleibt (siehe Foto oben). Im Mittelalter wurde Rohrkolben-Wolle auch als Zunderwolle genutzt. Eine gut verfilzte und staubtrockene Menge der Samenwolle eignet sich hervorragend zum Auffangen von Funken, die durch einen Funkenschläger aus Stahl und einem Feuerstein erzeugt werden können. Rezepte zur Verbesserung der Zunderwirkung durch allerlei Behandlungen der Wolle kursieren unter Waldläufern und Survival-Spezialisten im Internet zuhauf. Doch sollte man mit Zündel-Experimenten vorsichtig sein! - Der Schuß kann leicht nach hinten losgehen wenn man ungeübt mit Kaliumnitrat-Lösung (aus Dünger oder Pökelsalz) o. ä. Vorschlägen zu Werke geht.